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Auswirkungen und Lehren der Krise 2008/09 im Handwerksbereich
Die Finanz- und Wirtschaftskrise bedeutete auch für das Handwerk einen deutlichen Einbruch. Nachdem die Krise in Deutschland allem Anschein nach schneller als erwartet überwunden werden kann, ist es aus Sicht des Handwerks sinnvoll, die Auswirkungen zu beurteilen und Lehren für das Verhalten in künftigen Krisen zu ziehen. Das Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften – Forschungsstelle für Handwerkswirtschaft und Recht im Deutschen Handwerksinstitut e.V. – hat deshalb zusammen mit den Schwesterinstituten des Deutschen Handwerksinstituts (D H I) die Krise aus unterschiedlichen Blickwinkeln (volkswirtschaftlich, betriebswirtschaftlich, technisch und personalpolitisch) analysiert. Das LFI beschäftigte sich auf Grundlage einer eigenen empirischen Befragung von Handwerksunternehmen im Juni 2008 mit den Finanzierungsbedingungen für die Bau- und Ausbauhandwerke, die Handwerke für den gewerblichen Bedarf sowie die konsumnahen Handwerke.
Unter anderem auf Grund der zu geringen Eigenkapitalausstattung und der Dominanz klassischer Finanzierungsinstrumente (z.B. Kontokorrentkredit) stellte die Finanzkrise für viele Handwerksunternehmen eine ernsthafte Gefahr dar. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass sich die Kapitalstruktur der untersuchten Unternehmen in der Krise nicht verbessert hat.
Eher überraschend sind die Ergebnisse, dass die Eigenkapitalquote im Vergleich zur Zeit vor der Krise in den überwiegenden Fällen in allen Branchen unverändert blieb (vgl. Abbildung 1).

- Abb. 1: Veränderung der Eigenkapitalquote der Unternehmen während der Finanzkrise
Auch bei den Finanzierungsbedingungen von Krediten traten zwar bis 2010 keine deutlichen Verschlechterungen, jedoch stiegen die Anforderungen von Banken an die Betriebe. Abbildung 2 zeigt beispielhaft die Ergebnisse für die konsumnahen Handwerke (diese unterscheiden sich nicht signifikant von den anderen Gewerken).

- Abb. 2: Veränderung der Zugangsbedingungen im Juni 2010 im Vergleich zu September 2008 bei langfristigen Krediten am Beispiel der konsumnahen Handwerke
Die Anforderungen der Banken stiegen im Vergleich zu der Zeit vor der Krise vor allem in Bezug auf die Kreditsicherheiten, die Offenlegung der Geschäftszahlen und -strategie, die schriftliche Darlegung des Kreditvorhabens und auf die Bedeutung von Branchenratings. Zwar zeigte sich in allen Branchen somit eine "gefühlte" Krise bei Vergabe langfristiger Kredite. Jedoch war beim Großteil der Unternehmen unabhängig von der Branche keine reale Krise bei der Kreditvergabe feststellbar: Höchstens 22,7% der befragten Unternehmen in den unterschiedlichen Branchen hatten schon Probleme, einen langfristigen Bankkredit zu erhalten (Bau- und Ausbauhandwerke: 13,6%, Handwerke für den gewerblichen Bedarf: 18,2%, konsumnahe Handwerke: 22,7%).
Die Analyseergebnisse lassen folglich erkennen, dass die Finanzkrise nicht so stark auf das Handwerk durchgeschlagen hat, obwohl seine finanziellen Ausgangsbedingungen nicht ideal waren. Die gefühlte Betroffenheit war offensichtlich stärker als die reale. Die Publikation zeigt abschließend erfolgreiche Finanzierungsstrategien von Handwerksunternehmen in der Krise auf (z.B. Intensivierung des Kontakts zur Hausbank) und erläutert Konsequenzen für das Handwerk und die Politik auf (z.B. verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema Rating).
Die Studie "Lehren aus der Krise - Auswirkungen und Konsequenzen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 für den Handwerksbereicht" mit zahlreichen Auswertungen der Befragungsergebnisse, vor allem getrennt nach Rechtsform, Branche und Umsatzgrößenklassen der Handwerksunternehmen, kann auf den Seiten des Ludwig-Fröhler-Instituts kostenlos heruntergeladen werden unter
www.lfi-muenchen.de/publikationen/Lehren_aus_der_Krise.pdf.


