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Betriebswirtschaftliche Kompetenzen sind essentiell

Die Fortbildung zum Betriebswirt (HWK) ist die wichtigste und höchstrangige Qualifizierungsmaßnahme im Bereich der Unternehmensführung für Inhaber und Führungskräfte aus der Handwerkswirtschaft. Diese Aussage ist zwar nicht neu, fand jedoch im Rahmen ihres Neuordnungsverfahrens einmal mehr in der Praxis ihre aktuelle Bestätigung. Marion Fleige, Weiterbildungsforscherin der Technischen Universität Chemnitz, ist gemeinsam mit ausgewählten Einrichtungen der Handwerksorganisation mit der Evaluation einer pilothaften Erprobung dieser Neukonzeption beschäftigt. Ihre erste Einschätzung nach einer Reihe von Interviews mit Teilnehmern eines Kurses zum Betriebswirt (HWK) an der Akademie des Handwerks der Handwerkskammer Rhein/Main: "Ausnahmslos alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestätigen, dass die Meisterqualifikation allein nicht für eine erfolgreiche Unternehmensführung ausreicht. Erst die betriebswirtschaftlich-unternehmerisch ausgerichtete Aufstiegsfortbildung bedeutet für sie eine optimale Vorbereitung für die Unternehmensführung. Dazu kommt, dass diese sogenannten diagonalen Aufstiegswege recht unkompliziert zusätzliche Qualifikationschancen eröffnen, beispielsweise ein Studium." Die Forscherin ist ebenso wie auch die Anbieter in der Handwerkskammer Rhein/Main davon überzeugt, dass die Aufstiegsfortbildung eine wirkungsvolle Möglichkeit zur Förderung von Bildungschancen im Handwerk und im Erwachsenenalter allgemein ist, die der persönlichen Entwicklung ebenso zu Gute kommt wie der unternehmerischen Kompetenz.

"Betriebswirtschaftliche Kompetenzen sind essentiell für die Klientel der Unternehmenslenker sowie der Führungskräfte im deutschen Handwerk", betont auch Ewald Heinen, Geschäftsführer des Instituts für Technik der Betriebsführung (itb) in Karlsruhe – Forschungsstelle für Technik, Organisation und Qualifizierung im Deutschen Handwerksinstitut e.V. Innerhalb der Handwerksorganisation hat das itb die Funktion der Leitstelle für Unternehmensführungsseminare inne und unterstützt sie seit vielen Jahren erfolgreich im Rahmen der Aufstiegsfortbildung zum Betriebswirt (HWK). "Sie ergänzt und vervollständigt in idealer Weise die bereits im Teil III der Meisterqualifizierung vermittelten Inhalte", so der Weiterbildungsexperte, "und befähigt damit die Absolventen, kompetent und erfolgreich in verantwortlicher, leitender Funktion in der Führung kleiner und mittlerer Unternehmen tätig zu sein."

Ewald Heinen


Es ist deshalb also nur konsequent, dass gegenüber den bisher angewendeten kammereigenen Fortbildungsprüfungsregelungen mit der neuen Rechtsverordnung die strategische Unternehmensführung als zentrales Qualifikationsziel der künftigen Fortbildung zum geprüften Betriebswirt des Handwerks in den Mittelpunkt rückt. Die Neukonzeption umfasst die für eine erfolgreiche betriebliche Entwicklung immer wichtiger werdenden Themen wie Unternehmensstrategie, Unternehmensführung, Personalmanagement und Innovationsmanagement. "Je praktischer und je unternehmensnäher die Informationen sind, desto besser", kommentiert Heike Eggers, die im itb mit der Umsetzung des neu konzipierten "Geprüften Betriebswirts" befasst ist, diesen Ansatz. Darüber hinaus werden bei der Konzeptionierung des Rahmenlehrplanes der verstärkte Einsatz zeitgemäßer Lehr- und Lernmethoden – wie z.B. eine stringente Handlungsorientierung oder die Projektarbeit sowie weitere praxisorientierte pädagogisch-didaktische Gesichtspunkte – berücksichtigt. In diesem Rahmen können die Teilnehmenden aller Handwerksberufe an ihr jeweils individuell berufsbiographisch entwickeltes Fach- und Erfahrungswissen anknüpfen und es weiterführen.

Die beim itb vorhandene Kompetenz wird im Zuge des Neuordnungsverfahrens systematisch genutzt. Der Rahmenlehrplan für die Aufstiegsfortbildung "Geprüfte/r Betriebswirt/-in nach der HWO" auf Grund der neuen, bundesweit geltenden Prüfungsverordnung, die zum 01. April 2011 in Kraft getreten ist, wurde gerade neu erarbeitet. Das itb war in einem beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eingerichteten Arbeitskreis federführend für die Entwicklung des neuen Rahmenlehrplans zuständig. Der Arbeitskreis umfasst neben Vertretern der Handwerkskammern Chemnitz, Hamburg, Rhein/Main, für Schwaben sowie der Akademie des Handwerks Raesfeld auch die Sachverständigen, die bereits an der Erarbeitung der Prüfungsverordnung mitgewirkt haben.

Darüber hinaus konzipierte das itb zusammen mit der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) Informationsveranstaltungen und Prüferschulungen für die Qualifikation "Geprüfte/r Betriebswirt/-in nach der HWO". Dies geschah im Rahmen eines ZWH-Projekts mit den genannten Einrichtungen aus der Handwerksorganisation, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Den Auftakt der geplanten Reihe dezentraler Informationsveranstaltungen bildet eine zentrale Informationsveranstaltung am 15. November 2011 beim Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin.

"Durch die Qualifizierung zum strategischen Handeln als einem ganz entscheidenden Schwerpunkt der neuen Rechtsverordnung zum geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung wird die Fähigkeit der in den kleinen und mittleren Unternehmen tätigen Absolventen zur systematischen, nachhaltigen, langfristig ausgerichteten qualifizierten Führung ihrer Betriebe weiter gestärkt", erläutert Ewald Heinen. Dies sei eine wichtige Voraussetzung für das Bestehen in einem zunehmend größer werdenden, auch grenzüberschreitenden europäischen oder internationalen Wettbewerb. Die Unternehmen werden nach Aussage des Karlsruher Weiterbildungsexperten in die Lage versetzt, die Chancen dieses Marktes besser zu nutzen, indem sie zusätzliche Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten können. So können sie beispielsweise mit Hilfe einer systematischen, das gesamte Unternehmen ergreifenden Dienstleistungsorientierung ihre Wettbewerbsfähigkeit auch im internationalen Markt deutlich erhöhen. "Zudem", ergänzt der itb-Geschäftsführer, "sind sie so besser gewappnet für den auf nationaler Ebene zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb, auch mit Akteuren aus anderen Sektoren der Wirtschaft wie Industrie und Handel, welche verstärkt in ehedem die dem Handwerk vorbehaltenen Märkte drängen."

Im Zuge des Neuordnungsverfahrens hat das itb viele Akteure eingebunden, die kompetente Beiträge zur Neugestaltung liefern können. Inzwischen hat gemeinsam mit ausgewählten Weiterbildungseinrichtungen die Vorbereitung der pilothaften Erprobung der Neukonzeption begonnen. Die unmittelbare Evaluation dieser Pilotlehrgänge bietet die Chance, sofort als sinnvoll erkannte Korrekturen durchzuführen und so den Weiterbildungseinrichtungen der Handwerksorganisation eine bereits erprobte Seminarkonzeption mit allen begleitenden unterstützenden Maßnahmen anbieten zu können. Dies erhöht ganz wesentlich die Erfolgswahrscheinlichkeit und Akzeptanz der Maßnahme und unterstützt die Umsetzung in der Breite. Die Chemnitzer Weiterbildungsforscherin Marion Fleige jedenfalls war beeindruckt von der Auskunftsfreudigkeit der von ihr befragten Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer und bereitet mittlerweile eine detaillierte Auswertung ihrer Interviews vor. "Ich würde sehr gern noch die Teilnehmer eines Kurses aus einer zweiten Handwerkskammer befragen", überlegt sie. "Dann hätte ich zusätzlich noch die Möglichkeit, nach regionalen Unterschieden zu suchen."

Ansprechpartner:
Dipl.-Wi.-Ing. Ewald Heinen
Tel.: 0721-93103-18
E-Mail: heinen@itb.de

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Institut für Technik der Betriebsführung (itb)

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