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Handwerksunternehmen haben bessere Arbeitsbedingungen als Industrieunternehmen

Die Industrie stellt für das Handwerk seit jeher den größten Konkurrenten bei der Akquise und Bindung von Fachkräften dar. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels gewinnt die Attraktivität als Arbeitgeber für Handwerksunternehmen zunehmend an Bedeutung.

In der Theorie und Praxis herrscht oft die Meinung vor, dass das Handwerk hinsichtlich der Arbeitsbedingungen gegenüber der Industrie schlechter einzustufen sei. Vor allem wird bei der Diskussion der Arbeitsbedingungen auf die im Vergleich zur Industrie schlechteren monetären Anreize (z.B. Gehaltssteigerungen und Lohnzusatzleistungen) sowie fehlende Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk hingewiesen.

Die Dissertation von Maximilian Wolf am Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften – Forschungsstelle für Handwerkswirtschaft und Recht im Deutschen Handwerksinstitut e.V. – kann jedoch derartige Aussagen über die vergleichsweise schlechte Arbeitgeberattraktivität von Handwerksunternehmen empirisch bei vielen Arbeitsbedingungen nicht belegen. Die folgende Tabelle zeigt die Bewertung von Handwerk und Industrie anhand verschiedener Faktoren. Die Tabelle zeigt den Mittelwert und die Standardabweichung einer Befragung unter 100 Auszubildenden im Handwerk. Aus einem positiven Vorzeichen ist zu erkennen, dass der Auszubildende das Handwerk hinsichtlich dieses Faktors besser einschätzt als die Industrie.

Bewertung von Handwerk und Industrie hinsichtlich ihrer Arbeitgeberattraktivität


Aus der Tabelle wird ersichtlich, dass das Handwerk in der Befragung im Mittel nur beim "Einstiegsgehalt" und den "Weiterbildungsmöglichkeiten" schlechter abschneidet als die Industrie. Allerdings bewegen sich die Mittelwerte um Null, so dass die Unterschiede zur Industrie bei beiden Faktoren recht gering sind.

Die deutlichsten Stärken des Handwerks auf Basis der dargestellten deskriptiven Analyse liegen im Vergleich zur Industrie bei der selbstbestimmten Arbeitsorganisation, dem Abwechslungsreichtum der Arbeit und dem Verhältnis zum Vorgesetzten. Auch wenn die hohen Standardabweichungen bei den Faktoren auf ein sehr unterschiedliches Antwortverhalten hindeuten, liefert die deskriptive Statistik Hinweise darauf, dass das Handwerk bei den monetären Anreizen im Mittel nicht deutlich schlechter als die Industrie bewertet wird. Ferner liegt die Vermutung nahe, dass nicht-monetäre Anreize eine Stärke des Handwerks bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften gegenüber der Industrie darstellen.

Mit Blick auf die Praxis legen die Ergebnisse nahe, dass es für Handwerksunternehmen wenig zielführend ist, übertriebene monetäre Anreize zur Fachkräftesicherung einzusetzen. Vielmehr sollten sich die Handwerksunternehmen auf nicht-monetäre Faktoren, wie beispielsweise das Verhältnis von Vorgesetzten und Mitarbeitern, fokussieren und diese weiter verbessern (z.B. durch regelmäßige Mitarbeiterbesprechungen).

Die Dissertation mit zahlreichen weiteren Detailanalysen und Ansatzpunkten für die Fachkräftesicherung erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2012.

Ansprechpartner:
Maximilian Wolf
Tel.: 089-515560-85
E-Mail: wolf@lfi-muenchen.de

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Ludwig-Fröhler-Institut (LFI), Bereich für Handwerkswirtschaft

Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts...

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