28.07.2021

Betriebsstandorte und Neuansiedlungen im Handwerk

Urbane Gebiete nach § 6a BauNVO und ihre Auswirkungen auf das Handwerk

    Als Folge der Richtlinie 2014/52/EU des Europäischen Parlaments wurde § 6a in der BauNVO eingeführt, welcher das Urbane Gebiet (MU) als neue Baugebietskategorie definiert. Dort wird bereits im ersten Satz darauf hingewiesen, dass Urbane Gebiete dem Wohnen, sowie "Gewerbebetrieben und sozialen, kulturellen und anderen Einrichtungen, die die Wohnnutzung nicht wesentlich stören" dienen (vgl. § 6 a Absatz 1 Satz 1 BauNVO.). Das MU als neu eingeführter Baugebietstyp (Mittels Bebauungstypen werden Gebiete mit einer Nutzungsbindung der Grundstücke versehen.) soll nicht nur das Planen und Bauen in stark verdichteten Gebieten vereinfachen, sondern auch eine neue, flexiblere Nutzungsdurchmischung zur Umsetzung des Konzepts der "Stadt der kurzen Wege" ermöglichen.

    In einer Untersuchung des LFI wird eine erste Auswertung der Auswirkungen der neuen Baugebietskategorie "Urbanes Gebiet" auf das Handwerk vorgenommen. Im Rahmen einer Fallstudienanalyse wurden von insgesamt 36 bearbeiteten Urbanen Gebieten zehn verschiedene Bebauungspläne analysiert. Insbesondere anhand der zuvor definierten Standortwahlfaktoren des Handwerks werden die Chancen und Gefahren des Urbanen Gebiets für das Handwerk evaluiert.

    Hierbei konnte festgestellt werden, dass Urbane Gebiete im Allgemeinen zwar als positiv wahrzunehmen sind, sie jedoch in ihrer individuellen Ausgestaltung in vielen Fällen Gefahren für das Handwerk bergen. Häufig werden individuelle Belange des Handwerks bei der Erstellung der Bebauungspläne nicht ausreichend berücksichtigt. Zudem konnte beobachtet werden, dass Urbane Gebiete oftmals nur zur Schaffung von neuem Wohnraum genutzt werden. Die Neuansiedlung von Handwerksbetrieben wird somit erschwert.

    Im Ergebnis zeigt sich, dass Urbane Gebiete zwar dem Handwerk viele Möglichkeiten bieten, es jedoch ohne flankierende Maßnahmen außerhalb der Baunutzungsverordnung nicht zur gewünschten Förderung des Handwerks und Gewerbes kommen kann. Einzelne Festsetzungen wie die GRZ-Festlegung oder die Berücksichtigung von sozialen und kulturellen Einrichtungen erscheinen unentbehrlich und müssen stärker auf ihre tatsächliche Umsetzung überprüft werden, um die Vorteile der neuen Baugebietsform ausnutzen zu können.

    Die Publikation "Urbane Gebiete nach § 6a BauNVO und ihre Auswirkungen auf Betriebsstandorte und Neuansiedlungen im Handwerk"von Tobias Beibl steht hier zum Download bereit.

    Ansprechpartner:
    Tobias Beibl
    Tel: (089) 515560-86
    E-Mail: beibl(at)lfi-muenchen(dot)de

    Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften

    Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts:

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