22.06.2021

Digitalisierung der Berufsorientierung

Welchen Bedarf haben Jugendliche, Lehrende und Eltern?

    Welche Möglichkeiten gibt es, die Berufswahlentscheidung von Jugendlichen durch digital gestützte Angebote zu erleichtern? Diese Frage haben sich anlässlich der Corona-Pandemie die Handwerkskammer der Pfalz und das Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Universität zu Köln gestellt und eine Kurzstudie in Rheinland-Pfalz durchgeführt. Auf der Basis qualitativer Interviews wurden folgende acht Thesen für die Organisation und Anreicherung von Berufsorientierungsmaßnahmen formuliert.

    Neben sehr wichtigen und teilweise schon bekannten Aspekten, die z. B. die Bedeutung der Lehrerenden und Eltern als wichtige Bezugspersonen und die Notwendigkeit der Zusammen­arbeit der Partner in der Region sowie die Notwendigkeit der technischen Ausstattung hervorhebt, zeichnen sich insbesondere ab:

    • Schülerinnen und Schüler benötigen eine Handlungshilfe in Bezug auf die Auswahl und Beurteilung von Informationsquellen. Leicht könnten sie ansonsten über Internetquellen und soziale Medien manipuliert werden. Außerdem können über soziale Medien verstärkende Spiralen in Gang gesetzt werden, bei denen einmal gefasste Berufswünsche durch gezielte Suchen und Informationsfilter eines Algorithmus die eigenen – möglicher­weise unvollständigen – Vorstellungen bestätigen.

     

    • Berufsorientierung muss als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, in dessen Verlauf immer wieder Berührungspunkte mit der Berufswahlentscheidung geschaffen werden, z. B. über Impulse darüber nachzudenken, regelmäßige Vorstellung von Berufen, Kontakt­möglichkeiten zu Betrieben/Auszubildenden.

     

    • Entscheidend ist, dass die Angebote als relevant („Was hat das mit mir zu tun?“) wahr­genommen und nicht als Veranstaltungen „zum Unterschriften sammeln“ angeboten werden. Eine institutionelle Einbettung scheint vorerst aber sinnvoll. Insbesondere kann es sein, dass die Entscheidung über die Berufswahl für Schülerinnen und Schüler zu unter­schiedlichen Zeitpunkten als relevant betrachtet wird. – Chance für individualisierte Angebote für Digitalisierung?

     

    • Potenziale zusätzlicher bzw. besser bekannt gemachter digitaler Angebote werden in Bezug auf die verschiedenen Phasen der Berufswahl (Motivierung, Erkundung, Berufswahlentscheidung und Umsetzung der Berufswahlentscheidung gesehen und in dem Kurzpaper weiter erläutert.

     

    • Digitalisierung von Berufsorientierungs-Angeboten weist ‚zentrale‘ überregionale Aspekte als auch regional gebundene Aspekte auf: Einerseits können ‚zentrale‘ Plattformen grundlegend über Berufsbilder informieren. Andererseits erhalten digitale Einblicke in Betriebe und Kontakte zu Auszubildenden bei regional verbundenen Jugendlichen nur dann besondere Relevanz, wenn diese digitalen Angebote regional eingebettet sind.

    Die ausführlichen Ergebnisse sind in "Bedarf und Möglichkeiten zur Unterstützung der Berufswahlentscheidung von Jugendlichen durch regionale, digital gestützte Angebote zur Berufsorientierung. Zusammenfassendes Kurzpapier zu einer explorativen Studie mit Lehrer:innen, Schüler:innen sowie Eltern und Erziehungsberechtigten in Rheinland-Pfalz" von Rolf R. Rehbold und Julia Weber dargestellt.

    Ansprechpartner:
    Rolf R. Rehbold
    Tel.: 0221/470- 5679
    E-Mail: rolf.rehbold(at)uni-koeln(dot)de

    Forschungsinstitut für Berufsbildung (FBH)

    Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts:

    zur FBH-Website