12.06.2019

Erkenntnisse zu Berufs- und Betriebswechseln in- und außerhalb des Handwerks

Welchen beruflichen Weg Jugendliche nach einer vorzeitigen Auflösung von Ausbildungsverträgen im Handwerk einschlagen und ob sie aufgrund ihrer individuellen Erfahrungen als "verloren für das Handwerk" gelten, diesen Fragen geht die neue Publikation des Ludwig-Fröhler-Instituts nach. Bei der Untersuchung am Beispiel des Kammerbezirks der Handwerkskammer der Pfalz ergibt sich als erste zentrale Erkenntnis, dass die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen (80 %) nach einer vorzeitigen Lösung auch für das Gesamthandwerk zumindest für das Absolvieren einer Ausbildung unwiederbringlich ist. Die im Handwerk verbleibenden Jugendlichen teilen sich zu 75 % in Betriebswechsler (unter Beibehaltung des Ausbildungsberufs) und zu 25 % in Berufswechsler (mit gleichzeitigem Wechsel des Ausbildungsbetriebs) auf.  

Die hohe Quote an Betriebswechslern legt nahe, dass die individuelle Ausbildungssituation von einem Großteil der Jugendlichen für nicht gut befunden wird und somit einen Wechsel des Ausbildungsbetriebs induziert. Das Lösungsverhalten wird auch vom Geschlecht der betroffenen Auszubildenden beeinflusst. Zwar geben sowohl die Gruppe der weiblichen als auch der männlichen Betriebswechsler zu rund 35 % an, dass sie sich mit ihren damaligen Arbeitgebern in beiderseitigem Einvernehmen getrennt haben. Allerdings reagieren weibliche Azubis schneller. Bei weiblichen Jugendlichen, die das Handwerk nach der Lösung verlassen, dauert der Zeitraum von den ersten Überlegungen bis zur Beendigung der Ausbildung oft weniger als einen Monat.  

Daneben spielt das Alter eine Rolle. Insbesondere Jugendliche im Alter zwischen 19 und 20 Jahren erleben schnelle Lösungen in weniger als einem Monat. Hinsichtlich der Schulbildung der Jugendlichen zeigt sich bei den Berufswechslern, dass Realschüler im Vergleich zu Hauptschülern stärker durch eigeninitiierte Lösungen hervortreten und häufiger schnell lösen, d.h. noch während der Probezeit.  

Laut einer Umfrage unter nicht im Handwerk verbliebenen Jugendlichen können sich 34 % der Befragten trotz der Lösung und dem Verlassen des Handwerks vorstellen, erneut eine Beschäftigung in diesem Wirtschaftszweig aufzunehmen. 20,7 % der Jugendlichen gelten als unentschlossen. Ein überraschendes Ergebnis der Umfrage ist, dass mehr als 50 % der Gruppe der rückkehrbereiten Jugendlichen aus aktuellen Tätigkeiten stammen, in denen sie zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind.  

Doch wie können Jugendliche charakterisiert werden, die sich eine Rückkehr ins Handwerk vorstellen können? Sie sind stärker männlich dominiert, weisen hinsichtlich des Schulabschlusses eher Haupt- bzw. Realschule auf und sind hinsichtlich ihres Alters als jung einzustufen. Voraussetzung für sie ist, dass der Betrieb bzw. das Arbeitsumfeld sowie der Chef und die Kollegen zu ihnen passen. Weiterhin sprechen sie sich mit zunehmendem Alter stark für gute Verdienstmöglichkeiten als Bedingung für ihre Rückkehr aus.  

Grundsätzlich müssen diese für den Kammerbezirk der Handwerkskammer der Pfalz gewonnenen Erkenntnisse aber für andere Kammerbezirke sowie das Gesamthandwerk validiert werden.  

Die entsprechende Publikation steht hier kostenlos zum Download zur Verfügung, eine Zusammenfassung ist steht hier bereit.  

 

Ansprechpartnerin:
Dr. Andrea Greilinger
Tel.: 089-515560-84
E-Mail:
greilinger(at)lfi-muenchen.de