15.11.2017

Handwerk als Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft

Das Handwerk gilt schon immer als eines der Schwergewichte innerhalb der deutschen Volkswirtschaft. Eine genaue Einordnung fällt bisher jedoch nicht leicht, weil sich die verfügbaren statistischen Daten für einen Vergleich mit der Gesamtwirtschaft als zu unterschiedlich erweisen. Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh) in Göttingen – Forschungsstelle im Themenbereich Handwerkswirtschaft und Recht im Deutschen Handwerksinstitut e.V – beseitigt jetzt dieses Defizit mit einer neuen Studie, in der die Bedeutung des Handwerks innerhalb der Gesamtwirtschaft und seine Veränderung in den zurückliegenden Jahren genauer analysiert wird.

Darin zeigen sich die differenzierten Entwicklungen des Handwerks in den letzten Jahren. Ein Beispiel dafür ist der Bereich der dualen Ausbildung. Auch wenn die Ausbildungsquote des Handwerks die der Gesamtwirtschaft noch klar übersteigt, ist sie dennoch abnehmend. Das gleiche Bild vermittelt die Analyse der Meisterprüfungen. Immerhin findet noch weit mehr als die Hälfte der Meisterprüfungen im Handwerk statt. Viele neue Soloselbstständige und kleinere Unternehmenseinheiten vor allem in den zulassungsfreien Handwerken verstärken diesen Trend, der sich seit der Novelle der Handwerksordnung 2004 ausgeprägt hat. Der seither teilweise abgeschaffte Meistervorbehalt und die zunehmend mangelhafte Ausbildereignung wirkt sich inzwischen zählbar auf die Bildungsqualität des Handwerks aus.

Laut den Daten aus dem Unternehmensregister sind rund 16 % aller Wirtschaftsunternehmen dem Handwerk zuzurechnen, und 13 % der sozialversicherungspflichtigen (SV-)Beschäftigten sind im Handwerk tätig. In diesen Unternehmen wird knapp 9 % des Umsatzes erzielt. Bei Unternehmensgröße und Umsatz je Unternehmen entwickelte sich das Handwerk in den letzten Jahren positiv und ist besonders in der mittleren Größenklasse der Unternehmen mit zehn bis 49 SV-Beschäftigten stark vertreten. Eine wichtige Position nimmt das Handwerk besonders innerhalb der Bauwirtschaft ein. Dort konnte es seine Marktstellung sogar ausbauen: Handwerksbetriebe sind in vielen Zweigen des Baugewerbes größer als Industrieunternehmen. Deutlich geringer als in der Gesamtwirtschaft fällt mit einer Differenz von 20 % der Verdienst im Handwerk aus. Noch höher ist der Unterschied bei den Fachkräften, geringer bei An- und Ungelernten. Auch als Ausbildungsvergütung wird im Handwerk im Durchschnitt weniger gezahlt als in der Gesamtwirtschaft.

Bemerkenswert gestiegene Anteile verbuchen die Soloselbstständigen, Einzelunternehmen und Gründungen. Allerdings entstehen immer häufiger kleinere Unternehmenseinheiten mit weniger Beschäftigten und Auszubildenden, ausgelöst durch die HwO-Novelle von 2004. Darauf dürfte auch die rückläufige Humankapitalbildung maßgeblich zurückzuführen sein, so der Autor der Studie. Indirekt habe die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks durch die HwO-Reform gelitten.

Die Studie des ifh Göttingen "Die Stellung des Handwerks innerhalb der Gesamtwirtschaft", von Klaus Müller, erscheint als Band 99 in der Schriftenreihe "Göttinger Handwerkswirtschaftliche Studien", 162 Seiten, € 23,-, ISBN 978-3-86944-175-7, bei Mecke Druck und Verlag, Christian-Blank-Straße 3, 37115 Duderstadt, Tel.: 05527-981922, E-Mail: verlag(at)meckedruck.de.

Ansprechpartner:
Dr. Klaus Müller
Tel.: 0551-3917-4884
E-Mail: klaus.mueller(at)wiwi.uni-goettingen.de