07.11.2018

Handwerk digital im ZDH

Dr. Christian Welzbacher, Prof. Birgit Ester, Prof. Gunter Friedl, Prof. Detlef Buschfeld, Prof. Martin Burgi, Holger Schwannecke, Prof. Kilian Bizer

Die Handwerksunternehmen sind in der Digitalisierung bereits sehr aktiv. Sie haben aber einen gewissen Aufholbedarf und brauchen auch weiterhin Unterstützungsangebote durch die Handwerksorganisation und durch Förderimpulse des Bundes und der Länder. Mit diesem Fazit schloss Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH und Vorstandsvorsitzender des D H I, die wissenschaftliche Tagung des Deutschen Handwerksinstituts "Das Handwerk im digitalen Wandel".

Knapp 100 Teilnehmer waren der Einladung des D H I am 02. November 2018 in das Haus des Deutschen Handwerks gefolgt und diskutierten mit den Referenten aktuelle Fragestellungen zum Digitalen Wandel im Handwerk. Nach Grußworten von Holger Schwannecke und Ministerialrat Joachim Garrecht vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, referierte zunächst Prof. Herbert Fitzek von Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Kommunikation zu "Chancen und Stolpersteinen" der Digitalisierung im Mittelstand aus wirtschaftspsychologischer Sicht. Er machte deutlich, dass der Wandel in den Köpfen der Mitarbeiter und die durch Unterstützungsangebote abzubauenden Veränderungswiderstände und Ängste die Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Transformationsprozesse darstellen.

In der Folge beleuchteten die Leiter der D H I-Institute die aktuellen Herausforderungen für das Handwerk im Digitalen Wandel aus verschiedenen Perspektiven. Sie bezogen sich dabei auf Teilvorhaben des miteinander in Kooperation bearbeiteten D H I-Gemeinschaftsprojekts zum Status Quo der Digitalisierung im Handwerk sowie möglichen Wegen und begleitenden Aspekten einer erfolgreichen digitalen Transformation.

Den Anfang machte Prof. Kilian Bizer vom ifh Göttingen. Er stellte die Ergebnisse der Auswertung einer Online-Umfrage des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk zum Digitalisierungsreifegrad vor und zeigte, dass der Digitalisierungsgrad in den Gewerbegruppen unterschiedlich ist, aber unabhängig von Größenstrukturen oder regionaler Verortung. Digitalisierungstreiber sei vorrangig die Bereitschaft und Motivation des Unternehmers. Prof. Gunter Friedl vom betriebswirtschaftlichen Bereich des LFI München analysierte an Hand von fünf Musterbetrieben die Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen digitalen Transformation und entwickelte darauf aufbauend Leitlinien für Betriebe. Der Frage, welche Herausforderungen sich künftig bzgl. der rechtlichen Definition des "Handwerksbegriffes" ergeben, wenn verstärkt digital gestützte Produktionstechnologien Einzug ins Handwerk finden und die handwerkliche Arbeitsweise zunehmend automatisiert wird, ging Prof. Martin Burgi vom rechtlichen Bereich nach.

In den Vortrag von Dr. Christian Welzbacher vom HPI Hannover flossen auch die Ergebnisse des itb Karlsruhe und des FBH Köln mit ein. Aufgabenstellung des itb in Karlsruhe im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts war die Frage, wie sich die Arbeitsweise im Handwerk durch transformierte Arbeitsprozesse und neue Wertschöpfungsbereiche ändert und welche Belastungspotentiale sich daraus möglicherweise ergeben. Daraus resultiert die Forderung, eine präventive Arbeitsgestaltung verstärkt vorzusehen und in die berufliche Bildung zu implementieren. Die Veränderungen der beruflichen Bildung durch den Digitalen Wandel wurden  beispielhaft anhand von Betrieben des Feinwerkmechanikerhandwerks durch das FBH in Köln untersucht. Die Wissenschaftler nutzten ein speziell entwickeltes Analyse-Verfahren und konnten zeigen, dass eine gewerkespezifische Betrachtung zwingend erforderlich ist. Pauschale Ableitungen aus dem Vorhandensein neuer Technologien sind nicht möglich, da Kompetenzanforderungen situativ aus dem Anwendungsfall entstehen.

Für die Vermittlung dieser neuen Kompetenzen und Fertigkeiten ist eine modern ausgestattete Berufsbildungsinfrastruktur unerlässlich. Die Auswertungen des HPI Hannover am Beispiel von Ausstattungsinvestitionen der Jahre 2011 bis 2017 weisen darauf hin, dass in den Bildungseinrichtungen überwiegend eine moderne Infrastruktur vorhanden ist und zusätzlich entsprechend inhaltlich aufbereitete Transferangebote in der Handwerksorganisation bestehen. Um die moderne Ausstattung zielführend zum digitalen Kompetenzaufbau einsetzen zu können, bleibt die notwendige Ausbilderqualifizierung eine Herausforderung.

Den Abschluss der sehr gelungenen Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Michael Block, Chefredakteur des Deutschen Handwerksblatts. Dabei wagten die Teilnehmer auch einen Blick in Zukunft.

Unter der Koordination des HPI wird derzeit ein Tagungsband erstellt. Er wird in Kürze im Internet zum Download bereitstehen.

 

Ansprechpartner
Dr. Christian Welzbacher
Tel.: 0511-70155-20
E-Mail: welzbacher(at)hpi-hannover.de

Dr. Knut Heldt
Tel. 030-20619-401
E-Mail: dr.heldt(at)zdh.de