26.06.2018

Karrierewege im Handwerk

Mit der Absolventenstudie 2017 wird die im Jahr 2014 angestoßene systematische und breit angelegte Untersuchung zum Verbleib von Meistern nach dem Ablegen der Meisterprüfung fortgesetzt. Sie zeigt, dass vor allem ein höheres Einkommen sowie mehr Eigenständigkeit aus Sicht der Absolventen handlungsleitend für die Entscheidung zum Erwerb eines Meisterbriefs sind. Diejenigen Absolventen, die später auch den Weg in die Selbstständigkeit wagen, entscheiden sich bewusst für die Meisterqualifizierung.

Die Absolventen gaben weiter an, dass die für die Entscheidung maßgeblichen Ziele rückblickend erreicht werden können. Die Möglichkeit, den Meister direkt im Anschluss an die Ausbildung zu erwerben, nutzen nur etwa 2 % der Befragten. Das bedeutet, dass etwa 98 % über mindestens ein Jahr Berufserfahrung verfügen, wobei sich ein Mittelwert von 6,92 Jahren ergibt. Während nur etwa 4 % berufliche Erfahrungen zwischen dem Ablegen der Gesellen- und Meisterprüfung als nicht wichtig ansehen, wird im Durchschnitt eine Berufserfahrung von 3,67 Jahren empfohlen.

Die Finanzierung der Meisterqualifizierung erfolgt durch das Meister-BAföG (70 %) sowie aus eigenen Ersparnissen (65 %). Eine Kombination beider Finanzierungsquellen nutzen 22 %. In 12 % der Fälle wird zusätzlich nebenbei gearbeitet. 13 % der jungen Meister wurden finanziell von ihren Betrieben unterstützt, wobei in 33 Fällen der Anstoß zur Fortbildung auch aus dem Betrieb kam.

Etwa 33 % haben nach dem Ablegen der Meisterprüfung die Selbstständigkeit gewählt, 23 Absolventen  haben diese wieder aufgegeben. Von den 686 Absolventen, die zum Zeitpunkt der Befragung angestellt waren, planen etwa 22 % den Weg in die Selbstständigkeit.

Außerdem zeigte die Befragung, dass Selbstständige aufgrund der vielfältigen Anforderungen als Betriebsinhaber alle abgefragten (und damit dem aktuellen Kompetenzprofil in der Meisterprüfungsordnung entsprechenden) Kompetenzen als wichtig erachten. Insbesondere die Kompetenzen aus dem Teil III der Meisterprüfung werden im Arbeitsalltag gebraucht. Bei angestellten Meistern liegt der Fokus mehr auf der Planung, Vorbereitung und Durchführung von handwerklichen Tätigkeiten.

Die aktuelle Studie stützt sich auf 1.028 Antworten aus 47 Gewerben der Anlagen A und B der Handwerksordnung. Die Befragung wurde in Zusammenarbeit mit den sechs Handwerkskammern für Mittelfranken, für München und Oberbayern, Niederbayern-Oberpfalz, Schwaben, Ulm sowie für Unterfranken durchgeführt.

Die Absolventenstudie wird im Jahr 2019 unter Beteiligung weiterer Handwerkskammern fortgesetzt.

Die "Absolventenstudie 2017. Motivation und Karrierewege von Meisterinnen und Meistern im Handwerk", von Katrin Rasch und Rolf R. Rehbold, aus der Reihe: Arbeitshefte zur berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung. Heft 39, 59 Seiten Köln 2017, ist hier abrufbar.

Ansprechpartner:
Rolf R. Rehbold
Tel.: 0221-470-5679
E-Mail: rolf.rehbold(at)uni-koeln.de