15.11.2017

Learning goes digital

Die Schlagwörter E-Learning, Blended Learning und MOOCs sind derzeit in aller Munde. Im Kontext des beruflichen Lernens und vor allem des Lernens am Arbeitsplatz wird ein Mix aus verschiedenen Tools sowie Präsenz- und Online-Kursen bereits groß geschrieben. Das digitale Lernen bietet Möglichkeiten, Inhalte, Wege und Methoden von Weiterbildung auf die Bedürfnisse des Einzelnen zuzuschneiden. Der Lerner und seine jeweilige Situation stehen also im Mittelpunkt des Lernsettings. Hierauf muss aufgebaut werden, um Wissen auch gewinnbringend im Arbeitsalltag zu integrieren. Um auf diesem Gebiet up to date zu bleiben, haben sich das Institut für Technik der Betriebsführung (itb) in Karlsruhe – Forschungsstelle im Themenbereich Technik, Organisation und Qualifizierung im Deutschen Handwerksinstitut e.V. – und die Verlagsanstalt Handwerk GmbH (VH) zusammengesetzt und Überlegungen angestellt, das gemeinsame Portfolio an Lehr- und Lernmaterialen auch künftig für die Anwender optimal zur Verfügung stellen zu können. 

Die VH berichtete zunächst über Erfahrungen mit der bereits seit einigen Jahren am Markt befindlichen Lernplattform zur Prüfungsvorbereitung der Meisterausbildung. Diese ist modular aufgebaut und kann beliebig erweitert werden. Das itb stellte ein Ideenkonzept bzgl. einer möglichen Digitalisierung der Lehr-Lernmodule vor. Hier wurde die Ausgestaltung von so genannten Learning Nuggets als vorbereitete Sets zur Stoffwiederholung oder der selbstständigen Erstellung von eigenen Wissensspeichern und zum Austausch mit anderen Lernern bedacht. Außerdem beinhaltet das Ideenkonzept Lernposter, die den Lernstoff in einen Zusammenhang bringen. 

In Gruppenarbeiten wurden in einem ersten Schritt Ideen, Wünsche, Vorstellungen und Visionen gesammelt, um in einem zweiten Schritt deren Umsetzungsmöglichkeiten anzudenken. In den gemeinsam erarbeiteten Vorschlägen wurden die Schlagworte, videobasierte Elemente, Learning Nuggets, 3-D Lernwelten und Augmented Reality genauso diskutiert wie die technischen Möglichkeiten von textlichen Verlinkungen, QR-Codes und E-Books. Auch das Konzept des flipped classrooms wurde diskutiert, ebenso wie die Möglichkeiten von entscheidungsbasierten Planspielen. Konsens bestand u. a. darüber, dass E-Technik allein keinen Mehrwert mit sich bringen kann, sondern vor allem ein ganzheitliches und didaktisch sinnvoll aufbereitetes Gesamtkonzept dahinter stehen muss. Hierbei sind verschiedene Lernzugänge, Methoden und Medien genauso zu berücksichtigen, wie individuelle Lernpfade und eine darauf abgestimmte Lernzielkontrolle.

Die Herausforderungen im Hinblick auf die Umsetzung wurden in der höheren Gesamtprozessdauer, den Kosten sowie den Ressourcen gesehen. Außerdem ist es wichtig, sowohl die künftigen Kursteilnehmer, als auch die Veranstalter/Entscheidungsträger, die Dozenten und nicht zu vergessen die Autoren zu überzeugen, die neuen Medien gewinnbringend einzusetzen. 

Im Ergebnis spiegelten sich schließlich Ideen wider, die eine ganzheitliche Umsetzung anvisieren. Dabei wurde über die Nutzung und Weiterentwicklung der vorhandenen Medien und Materialien in Kombination mit neuen digitalen Tools, über die Einbettung der E-Lernformen in ein mediendidaktisches Konzept, basierend auf Lernformen wie Blended Learning und E-Coaching, sowie über die Integrationsmöglichkeiten mobiler und kollaborativer Lernumgebungen nachgedacht.

Ein individuelles, vernetztes, ortsunabhängiges Lernen in kleinen Häppchen (Nuggets) zu ermöglichen, ist eine Zielvorstellung, die digitale Medien unterstützen und auch optimieren können. Den "didaktischen Mantel" dazu zu entwerfen, ist eine spannende Herausforderung. VH und itb sind sich dessen bewusst und werden eine Weiterentwicklung auch in Kooperation miteinander anstreben.

Ansprechpartner:
Dipl.-Wi.-Ing. Joachim Hamburger
Tel.: 0721-93 103-0
E-Mail: info(at)itb.de