23.10.2018

Lösung eines Ausbildungsvertrags heißt nicht Schluss im Handwerk

Die hohe Quote an Ausbildungsvertragslösungen im Handwerk ist gerade vor dem Hintergrund der akuten Fachkräfteproblematik ein brisantes Thema. Viele Studien beschäftigen sich daher mit den Gründen für Ausbildungslösungen und Möglichkeiten, diese zu verhindern. So beispielsweise auch eine Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts aus dem Jahre 2013. Die Auswertung umfangreichen Datenmaterials zeigte, dass Ausbildungsbetriebe sowie ehemalige Auszubildende ein sehr unterschiedliches Bild über die Ausbildungslösung äußern. Während Betriebe eher Gründe wie mangelnde Motivation oder fehlende Ausbildungsreife der Jugendlichen nennen, führen Azubis eine schlechte Ausbildungsqualität bzw. ungenügende Arbeitsumstände in den Betrieben an.

Von Interesse sind aber nicht nur die Gründe für Ausbildungsvertragslösungen, sondern auch die berufliche Entwicklung eines Jugendlichen nach dem Entschluss der Lösung. Nicht alle Jugendlichen sind für das Handwerk verloren. Viele ergreifen erneut die Möglichkeit einer Ausbildung im Handwerk unter Beibehaltung des Berufs in einem neuen Ausbildungsbetrieb (Betriebswechsler) bzw. mit einem neuen Beruf und Ausbildungsbetrieb (Berufswechsler). Eine aktuelle, derzeit noch nicht veröffentlichte Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts setzt genau hier an und beschäftigt sich damit, wie Betriebs- bzw. Berufswechsler charakterisiert werden können. Dazu werden die Daten der Lehrlingsrolle einer Handwerkskammer aus Rheinland-Pfalz ausgewertet. Erste Ergebnisse zeigen:

  • Im Datensatz sind männliche Jugendliche sehr stark vertreten. Allerdings sind Berufswechsler mit 86,8 %  stärker männlich dominiert als Betriebswechsler (68,6 %).
  • Jugendliche ohne Schulabschluss bzw. Hauptschulabschluss führen die Gruppe der Berufswechsler an. Dieses Bild dreht sich um, je „höher“ der Schulabschluss wird: Realschüler bzw. Jugendliche mit (Fach-)Hochschulreife dominieren die Gruppe der Betriebswechsler.
  • Berufswechsler sind stärker in den jüngeren Altersklassen bis zu einem Alter von 20 Jahren vorzufinden, Betriebswechsler dagegen in den Altersklassen ab 21 Jahren.
  • Die insgesamt häufigste Anzahl an vorzeitigen Vertragslösungen weist der Beruf Friseur/-in auf. Davon zählen allerdings über 95 % zu den Betriebswechslern.
  • Insgesamt sind sehr kleine Betriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern häufig von einer vorzeitigen Lösung betroffen. Auf diese Größenklasse entfallen zudem stärker Betriebswechsel. In Betriebsgrößenklassen von 20 und mehr Mitarbeitern findet sich hingegen ein häufigeres Auftreten von Berufswechselereignissen.
  • Berufswechsler führen die Gruppe der Betriebe mit einer Facharbeiterquote bis zu 25 % an, Betriebswechsler treten häufiger in Betrieben mit Facharbeiterquoten ab 26 % auf.
  • Die durchschnittliche Ausbildungsdauer bis zur vorzeitigen Lösung beläuft sich sowohl in der Gruppe der im Handwerk verbliebenen als auch in der Gruppe der nicht im Handwerk verbliebenen Jugendlichen auf ca. zwölf Monate.

Im Rahmen der Studie werden den im Handwerk verbliebenen Betriebs- bzw. Berufswechslern jene Jugendliche sowie deren Charakteristika gegenübergestellt, die das Handwerk nach ihrer Lösung verlassen haben. Durch eine zusätzliche Umfrage unter diesen Jugendlichen können im Rahmen der Studie auch Erkenntnisse zu ihrem beruflichen Verbleib gewonnen werden. Erste Auswertungen zeigen: Nur weil einmal eine Lösung im Handwerk stattfand, gelten diese Jugendlichen noch lange nicht als verloren für das Handwerk. Ein Großteil der Jugendlichen hat grundsätzlich ein positives Bild vom Handwerk und kann sich vorstellen, im Laufe des beruflichen Werdegangs zurück zum Handwerk zu wechseln.

Die Studie wird voraussichtlich im Januar 2019 veröffentlicht.

Ansprechpartnerin:
Dr. Andrea Greilinger
Tel.: 089-515560-84
E-Mail: greilinger(at)lfi-muenchen.de