23.01.2018

Mitarbeitende Unternehmerfrauen für ein zukunftsfähiges Handwerk von hoher Bedeutung

Gerade mitarbeitende Familienangehörige spielen in kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks eine wichtige Rolle. Insbesondere die (Ehe-)Partnerinnen übernehmen vielfältige und notwendige Führungsaufgaben in den Betrieben. Sie tragen so zum Erfolg und Fortbestand des Unternehmens sowie zum Erhalt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei. 

Wie erleben mitarbeitende Unternehmerfrauen im Handwerk Herausforderungen und Interaktionen im Betrieb sowie ihre Lebenssituation im Alltag? Diese Frage steht im Zentrum der empirischen Untersuchung des Instituts für Technik der Betriebsführung (itb) in Karlsruhe – Forschungsstelle im Themenbereich Technik, Organisation und Qualifizierung im Deutschen Handwerksinstitut e.V., "Die Bedeutung mitarbeitender Unternehmerfrauen für ein zukunftsfähiges Handwerk", die vom Bundesverband der Unternehmerfrauen im Handwerk e.V. (UFH) beauftragt wurde.

Zentrales Ergebnis der Studie ist das veränderte Rollenverständnis der mitarbeitenden Unternehmerfrauen von der Unterstützerin hin zur Managerin des Handwerkbetriebes. Großes Potenzial für das gesamte Handwerk bietet vor allem das hohe Bildungsniveau der Unternehmerfrauen, das in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Die Frauen sind häufig – ihrer Qualifikation entsprechend – in der kaufmännischen Geschäftsführung des Betriebes tätig. Die für diese Position notwendigen Organisations- und Planungskompetenzen eignen sie sich nicht mehr ausschließlich durch "learning by doing" an, sondern vermehrt durch qualifizierte Aus- und Weiterbildungen. Hierbei besteht der Anspruch, die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten durch zertifizierte Weiterbildungsangebote kontinuierlich zu erhöhen. Insbesondere dem Fach- und dem Betriebswirt werden hierbei eine hohe Bedeutung zuteil. 

Im familiären Bereich zeigt sich, dass die Unternehmerfrauen nicht selten die Doppelbeanspruchung zwischen Familie und Beruf meistern. Nichtsdestotrotz weisen die Frauen eine hohe Berufszufriedenheit auf. Diese wird gefördert durch eine hohe Selbständigkeit, Verantwortung und Flexibilität in der Arbeitsgestaltung im Handwerksbetrieb. 

Mit Hinblick auf den demografischen Wandel und den bereits spürbaren Fachkräftemangel wird es Aufgabe der Handwerksorganisationen sein, sich noch stärker für familienfreundlichere Rahmenbedingungen und die berufliche Förderung einzusetzen. Hierbei besteht meist der Wunsch nach zertifizierten Weiterqualifikationen bzw. Weiterbildungsangeboten, die sich auf die spezielle Situation der Unternehmerfrauen richten (etwa mit einem kleinbetrieblichen und problemlösungsorientierten Fokus und Zeit für gegenseitigen Erfahrungsaustausch). Hierbei kommt insbesondere Verbänden wie dem UFH eine entscheidende Rolle zu, da diese großes Aktivierungspotenzial bei Fragen rund um das Thema Weiterbildungen, aber auch hinsichtlich der sozialen Sicherung oder des eigenen Rollenverständnisses mit sich bringen können. 

Das Selbstverständnis und der hohe Nutzen, der mit einer Führungsposition in einem Handwerksbetrieb einhergehen, sollten noch stärker in die Öffentlichkeit getragen werden. Denn insbesondere in der externen Anerkennung liegt eine wesentliche Motivationsquelle der Frauen. 

Ebenso entscheidend bleibt die kontinuierliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik, um das Potenzial auf breiter Ebene durch entsprechende Instrumentarien passgenau zu aktivieren und die Unternehmerfrauen bestmöglich zu unterstützen. An dieser Stelle ist insbesondere die Auseinandersetzung mit den Bedarfslagen und der Motivation jüngerer (Unternehmer)Frauen wesentlich, um sie zum einen als Nachwuchskräfte und zum anderen bei einer bereits bestehenden Mitwirkung in den Betrieben langfristig für das Handwerk zu gewinnen.

Denn das ungemein hohe Potenzial mitarbeitender Unternehmerfrauen gilt es optimal zu erschließen, um das Handwerk und somit auch die Wirtschaft insgesamt zukunftsfähig zu gestalten. 

Die Studie "Die Bedeutung mitarbeitender Unternehmerfrauen für ein zukunftsfähiges Handwerk – Eine empirische Studie der Lebens- und Erwerbsverläufe" von Julia Maxi Bauer, Judith Schliephake und Alisa Hauser, Hrsg. itb im D H I e.V., 100 Seiten, ist im Dezember 2017 erschienen und auf der itb-Homepage sowie hier als pdf-Dokument frei zugänglich.

Ansprechpartnerinnen:
Judith Schliephake
Tel.: 0721-93103-37
E-Mail: schliephake@itb.de

Alisa Hauser
Tel.: 0721-93103-11
E-Mail: hauser@itb.de