13.08.2019

Soloselbstständigkeit im Handwerk

Soloselbstständigkeit wird häufig mit einer prekären Wirtschaftsweise der "marginalen" Alleinunternehmer assoziiert. Eine Auswertung der Daten der Mikrozensusbefragung 2014 durch das ifh Göttingen zeichnet jedoch ein recht ausdifferenziertes Bild der Soloselbstständigkeit im Handwerk. Erwartungsgemäß befinden sich zwar unter den soloselbstständigen Unternehmern viele auffällige Subpopulationen: EU-Ausländer, Frauen, Erwerbstätige im Rentenbezugsalter und Teilzeittätige. Die Nettoeinkommen der Soloselbstständigen liegen dabei im Mittel deutlich unterhalb der entsprechenden Werte für Selbstständige mit Beschäftigten und sogar unterhalb der Werte für abhängig Beschäftigte. Ferner sind Soloselbstständige häufiger nicht rentenversichert und verfügen seltener über Wohneigentum als Selbstständige mit Beschäftigten.

Allerdings zeichnet sich zugleich ab, dass die überwiegende Mehrheit der Soloselbstständigen in Handwerksberufen derzeit Einkommen erreicht, die oberhalb der Armutsgefährdungsschwelle für einen Ein-Personen-Haushalt liegen. Die Gleichstellung der Soloselbstständigkeit mit einer prekären Lebensweise ist damit nicht zulässig: Die Soloselbstständigkeit birgt zwar gegenüber anderen Erwerbsformen zweifelsohne erhöhte Risiken für niedrige persönliche Einkommen. Dennoch lässt sich beobachten, dass die Mehrheit der Soloselbstständigen im mittleren Einkommensbereich verortet werden kann. Als problematisch kann demzufolge weniger die aktuelle Einkommenslage der Soloselbstständigen eingeschätzt werden, vielmehr die Ungleichstellung unterschiedlicher Erwerbsformen im Hinblick auf die Pflichten zur sozialen Absicherung.

Ansprechpartnerin:
Dr. Katarzyna Haverkamp
Tel.: 0551-3917-4883
E-Mail: k.haverkamp(at)wiwi.uni-goettingen.de