29.01.2020

Sprachliche und schulische Defizite als größte Herausforderungen bei der Ausbildung von Flüchtlingen im Handwerk

Vor allem mangelnde Sprachkenntnisse sowie unzureichende schulische Vorbildung behindern eine erfolgreiche Ausbildung von Flücht­lin­gen im Handwerk. In Bezug auf die Mehrheit der sonstigen Abbruchursachen unterschieden sich die Geflüchteten hingegen kaum von einheimischen Auszubildenden. Dies ist die zentrale Erkenntnis eines Forschungs­projekts  des Ludwig-Fröhler-Instituts.

Eingeschränkte Sprachkenntnisse in Verbindung mit einer lediglich rudi­mentären schulischen Vorbildung führen zu einer kaum überwindbaren Überforderung in der Berufs­schule. Trotz ein­ge­­schränkter Vergleichbarkeit zeigten sich ausländische Schulabschlüsse jedoch als zu­verläs­siger Indikator für die schulische Kompetenz der Geflüchteten.

Die generelle Leistungsfähigkeit der Geflüchteten im Betrieb wurde nur selten bemängelt. Das größte betrieb­liche Konfliktpotenzial bergen – wie auch bei einheimischen Auszubildenden – unentschuldigte Fehlzeiten.

Von größerer Bedeutung waren finanzielle Schwierigkeiten in Verbindung mit einer Unzufrie­denheit mit der als zu gering empfundenen Ausbildungsvergütung. Viele Geflüchtete stehen hier unter einem enormen Druck, um die Kosten ihrer Flucht zu refinanzieren und ihre Familien in den Heimatländern zu unter­stützen. In mehreren Fällen wurde die Ausbildung daher zu Gunsten einer besser bezahlten Anstellung als ungelernter Hilfsarbeiter beendet. Hinzu kommt, dass sich viele Flüchtlinge der Bedeutung einer abgeschlossenen Berufsausbildung für die späteren Karriere- und Ver­dienstmöglichkeiten nicht bewusst sind.

Häufig klagten Betriebe über ein mangelndes Interesse an der Ausbildung oder falsche Vorstellungen vom Arbeitsalltag. Hier gilt es den Geflüchteten durch frühzeitige Berufs­orien­tierung einen realistischen Überblick über die verschiedenen Ausbildungsberufe zu verschaffen.

Konflikte aufgrund kultureller oder religiöser Unterschiede sind kaum von Bedeutung. Gleiches gilt für Probleme mit Kriminalität oder Suchtverhalten. In einigen Fällen waren aber psychische Probleme aufgrund traumatischer Erfahrungen oder Einsamkeit durchaus mit­ursächlich für den Ausbildungsabbruch. Außerdem können eine Unsicherheit bezüglich des Aufent­halts­status und die damit verbundene Angst vor Abschiebung eine trauma­tische Wirkung haben.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Geflüchteten in Bezug auf Pro­ble­me aus vielen Bereichen kaum von ein­hei­mi­schen Auszubildenden unterscheiden. Die wesent­lichen Hemmnisse, die einer erfolgreichen Ausbildung von Geflüchteten im Handwerk ent­gegen­stehen, sind deren häufig man­gelnde Sprachkenntnisse sowie unzureichende schulische Vorbildung.

Im Rahmen des Projekts hat das LFI 227 Mitgliedsbetriebe aus allen bayerischen Handwerks­kammern, die bereits von der vorzeitigen Vertragslösung eines Geflüchteten in Ausbildung betroffen waren, zu den Gründen befragt. Dabei wurde die Relevanz 38 möglicher Lösungs­gründe aus den Bereichen schulische, betriebliche sowie persönliche und kulturelle Ursachen ermittelt.

Der vollständige Untersuchungsbericht steht in Kürze auf der Internetseite des Ludwig-Fröhler-Instituts zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Ansprechpartner:
Benedikt Tratt
Tel.: 089/515560-87
E-Mail: tratt(at)lfi-muenchen.de

Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften

Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts...

 

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