20.12.2017

Wie die Arbeitswelt 4.0 gestalten?

Pepper, der Roboter, begrüßte die Besucher
© Silz/ifaa, Düsseldorf

Im Industriedenkmal Zeche Zollverein, einem Ort, an dem der Wandel der Arbeitswelt zum Greifen nah ist, diskutierten am 16.11.2017 mehr als 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Experten des Mittelstands und Vertretern aus Wissenschaft und Politik Herausforderungen und Maßnahmen für den Mittelstand in der Arbeitswelt 4.0.

Derzeit versuchen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gleichermaßen, die Frage zu beantworten, wie die digitale Transformation zu gestalten ist und mit welchen Maßnahmen die Arbeitswelt 4.0 sicher, gesund und produktiv wird. Der Kongress, der von dem BMBF-Forschungsprojekt "Prävention 4.0" gemeinsam mit der Offensive Mittelstand veranstaltet wurde, brachte die Akteure aus Forschung und Praxis zusammen.

Die Teilnehmer im Oktogon der Zeche
© Silz/ifaa, Düsseldorf

Dabei hilft ein Blick auf die Betriebe, die 4.0-Technologien bereits erfolgreich eingeführt haben: Im Workshop "Organisation 4.0" kamen zwei Handwerksunternehmer als Referenten zu Wort und berichteten aus ihrem betrieblichen Alltag. So Johann Liegl, Geschäftsführer der Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür GmbH, ein Integrationsunternehmen (ab 01.01.2018 Inklusionsbetrieb).

Johann Liegl von der Gemeinschaftswäscherei Himmelsthür stellt seine automatische chipgesteuerte Sortieranlage vor
Foto: itb

Von den 400 Beschäftigten sind 180 mit Behinderung, auch in Führungsposition tätig. Der Referent berichtet über die Einführung und den Einsatz einer automatischen chipgesteuerten Sortieranlage für Bewohnerwäsche, die in seinem Unternehmen den kompletten Bearbeitungsprozess steuert – weltweit die erste. 4.0-Technologien verbessern damit die Logistik, strukturieren die Arbeitsabläufe und vereinfachen die persönlichen Anforderungen an die Beschäftigten: Die rationelle Bewältigung der sehr arbeitsintensiven Abläufe im Unternehmen wurde zwar durch den technischen Fortschritt ermöglicht. Aber es mussten auch die Beschäftigten ins Boot geholt werden. Dabei war es für Liegl ein zentraler Erfolgsfaktor, die Führungskräfte und Beschäftigten in enger Einbindung im Prozess des Aufbaus und der Einführung der Anlage zu einzubeziehen.

Daneben zeigte Markus Massmann, Malermeister und Inhaber des gleichnamigen Malerbetriebs, wie digitale Technologien in seinem Betrieb mit 20 Beschäftigten eingesetzt werden, sodass die Effizienz der Abläufe erhöht wird.

Automatisiert gesteuerte Prozesse ermöglichen im Malerbetrieb, dass sämtliche Dokumentationen zu einem Auftrag den Beschäftigten, an jedem Ort und immer aktuell zur Verfügung stehen. Eine große Bereicherung im Umgang mit sämtlichen Informationen aus dem laufenden Betrieb, mit den meist etwa sieben parallel laufenden Baustellen.

Markus Massmann, Inhaber des gleichnamigen Malerbetriebs, präsentiert seine automatisiert gesteuerten Prozesse
© Silz/ifaa, Düsseldorf

Auch hat Massmann seine Abläufe verbessert, indem die Werkzeugverwaltung und Materialwirtschaft digitalisiert sind: Jede Maschine hat einen Chip, über kontaktlosen Scan im Vorbeigang werden Informationen zum Einsatzort aufgenommen und hinterlegt. So stellte Massmann sehr anschaulich dar, wie für kleine Betriebe des Handwerks die digitalen Technologien zum Schlüssel für verbesserte Zukunftsfähigkeit werden. Dabei lohne es sich, so Massmann, Neuerungen langsam im Betrieb einzuführen und zuallererst den Blick auf die eigenen Prozesse zu richten und diese zu prüfen.

Neben den wertvollen Einblicken in die Betriebe präsentierten auf dem Kongressmarktplatz mehrere Aussteller mögliche Einsatzgebiete der 4.0-Technologien. Die Kongressteilnehmer hatten die Möglichkeit, Datenbrillen, Exoskelette oder Serviceroboter live zu erleben und selbst auszuprobieren. Dabei war auch das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk (KDH), das Handwerksunternehmen hilft, die 4.0-Technologien in ihre Abläufe zu integrieren.

Die Bergische Universität Wuppertal, Lehr- und Forschungsgebiet Baubetrieb und Bauwirtschaft, stellte ihre Anwendung BIM und Arbeitsschutz – Digitale Interaktion mit Augmented Reality (AR) vor. Gezeigt wurde ein Demonstrator, der durch eine systemübergreifende Kommunikation zwischen einem handelsüblichen Tablet und einer zukunftsfähigen AR-Anwendung Arbeitsschutz-relevante Prozesse unterstützt.

Die Besucher konnten Exoskelette ausprobieren, die eine ergonomische Hilfe für körperlich belastende Arbeiten darstellen (noonee AG). Diese Exoskelette können in einem weiteren Schritt auch Bestandteil cyber-physischer Systeme werden.

"Chairless Chair" Exoskelett
© Silz/ifaa, Düsseldorf

Tatsächlich bringen die neuen Technologien viele Chancen mit sich. So können sie beispielsweise mit Assistenzsystemen wie den sogenannten "Wearables" helfen, ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen gesund und produktiv in Beschäftigung zu halten. Auch bietet 4.0-Software vielen Betrieben die Möglichkeit, durch smarte digitale Prozesse ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die neuen Technologien können die Planung und Organisation erleichtern, wie durch digitale Instrumente des Arbeitsschutzes. Währenddessen führt der Einsatz von 4.0-Prozessen nicht automatisch zu einer besseren oder gesünderen Organisation. Es hängt dabei ganz von der konkreten Gestaltung im Betrieb ab und von der Unternehmenskultur, der Kommunikation und der Kompetenzen oder der Umsetzung des Datenschutzes. Jeder Betrieb kann dabei seinen eigenen Weg finden.

Hierbei kann das BMBF-Projekt "Prävention 4.0" unterstützen: 

Im Projekt werden konkrete Handlungsempfehlungen und Leitlinien speziell für Mittelstand und Handwerk entwickelt. Darin werden Maßnahmen für eine präventive Arbeitsgestaltung in der Arbeitswelt 4.0 gegeben, damit die Akteure in kleinen und mittleren Betrieben die Potenziale der betrieblichen Prävention in der digitalisierten Arbeitswelt wirkungsvoll nutzen können. Am Projekt sind neben dem Institut für Technik der Betriebsführung (itb) in Karlsruhe – Forschungsstelle im Themenbereich Technik, Organisation und Qualifizierung im Deutschen Handwerksinstitut e.V., Vertreter der Bereiche Wissenschaft, Mittelstand und Handwerk, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände sowie Sicherheitsingenieure beteiligt.

Weitere Informationen sind abrufbar unter https://www.offensive-mittelstand.de/serviceangebote/aktuelle-infos/dezember-2017-presseerklaerung-praevention-40-kongress/ sowie www.praevention40.de.

Ansprechpartner:
Anja Cordes und Andreas Ihm
Tel.: 0721/931 03-25
E-Mail: cordes(at)itb.de