17.12.2021

Wie kann Selbstständigkeit im Handwerk gesteigert werden?

Potenziale, Herausforderungen und Lösungsansätze – Erkenntnisse aus dem DHI-Gemeinschaftsprojekt 2020/2021.

    Das Handwerk ist zur Sicherung seiner betrieblichen Vielfalt und Stabilität auf ein dynamisches Gründungs- und Übergabegeschehen angewiesen. Wie in der Gesamtwirtschaft weisen die Gründungszahlen jedoch auch im Handwerk seit einigen Jahren eine rückläufige Tendenz auf. Hinzu kommt ein durch den demografischen Wandel getriebener enormer Bedarf an Unternehmensnachfolgerinnen und Unternehmensnachfolgern. Aus diesem Grund untersuchten die Forschungsinstitute des D H I in einem gemeinschaftlichen Forschungsprojekt, welche Hemmnisse einer höheren Dynamik von Gründungen und Übernahmen im Handwerk derzeit entgegenstehen. Darauf aufbauend wurden Lösungsansätze entwickelt, wie die Attraktivität selbständiger Tätigkeit im Handwerk gesteigert werden kann.

    Um die Ursachen für den Rückgang im Gründungs- und Übernahmegeschehen beurteilen zu können, wird zunächst eine umfassende Einschätzung des Status Quo handwerklicher Selbständigkeit in Deutschland vorgenommen. Dabei werden eine vergleichsweise schwach ausgeprägte Unternehmenskultur sowie ein hoher Grad an sozialer Umverteilung als wesentlich für die im Vergleich zu anderen Industrienationen deutlich geringeren Gründungszahlen identifiziert. Regulatorische und bürokratische Anforderungen stellen zwar eine erhebliche Belastung für Gründerinnen sowie Übernehmer dar, beeinflussen die tatsächlichen Gründungszahlen jedoch nicht unmittelbar negativ. Dennoch ergeben sich insbesondere aus steuerrechtlicher Sicht zahlreiche Entlastungsmöglichkeiten.

    Ferner beschäftigt sich die Publikation mit verschiedenen Möglichkeiten zur unmittelbaren Gründungsförderung im Handwerk. Großes Potenzial liegt insbesondere in der Ansprache von handwerksfernen Gründerinnen und Gründer sowie Tandem- und Franchisemodellen. Im Bereich der handwerksorganisatorischen Unterstützungsstrukturen erweist sich die Einrichtung sogenannter "Starter Center" als One-Stop-Shops für Gründungsberatung als besonders effektiv. Ferner zeigt sich, dass auch im Anschluss an die unmittelbare Gründung noch große Nachfrage nach längerfristiger Betreuung besteht.

    Auf Basis der im Rahmen des Forschungsprojektes gewonnen Erkenntnisse werden im Anschluss Handlungsempfehlungen erarbeitet, die aufzeigen, wie Betriebe, Handwerksorganisation und Politik gemeinschaftlich dazu beitragen können, die Gründungs- und Übernahmedynamik im Handwerk zu erhöhen.

    Der vollständige Sammelband "Selbständigkeit im Handwerk – Potenziale, Herausforderungen, Lösungsansätze" steht auf der Website des LFI zum kostenlosen Download zur Verfügung.

    Ansprechpartner:
    Benedikt Tratt
    Tel.: 089/515560-87
    E-Mail: tratt(at)lfi-muenchen(dot)de

    Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften

    Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts:

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