22.06.2021

Working Capital Management in kleinen Handwerksbetrieben

Erkenntnisse einer empirischen Untersuchung des LFI

    Handwerksbetriebe sind aufgrund ihrer Größe in der Regel besonders stark auf kurzfristige Fremdfinanzierungsmöglichkeiten angewiesen. Insbesondere die Nutzung von Lieferantenkrediten und die Ausgestaltung eigener Zahlungsziele sind hierbei von Bedeutung. Damit stellt das Management der kurzfristigen Vermögenswerte und der kurzfristigen Verbindlichkeiten eine der wichtigsten Stellschrauben zur Sicherstellung und Optimierung der Liquidität dar. Zusammengefasst werden diese Bilanzposten unter dem Begriff Working Capital, dessen konsequentes und strukturiertes Management somit wesentlich zu einem langfristigen Unternehmenserfolg beiträgt.

    Doch wie verbreitet sind Working Capital Management-Maßnahmen in kleinen Betrieben und ist deren Einsatz auch unter Berücksichtigung stark begrenzter Ressourcen rentabel möglich? Während aus den Bereichen der Industrie und des Mittelstandes hierzu bereits verschiedene empirische Untersuchungsergebnisse vorliegen, existieren für das Handwerk bislang keine repräsentativen Zahlen. Das Ludwig-Fröhler-Institut hat daher auf Grundlage einer quantitativen Befragung unter kleinen Handwerksbetrieben den Verbreitungsgrad grundlegender Maßnahmen aus allen Bereichen des Working Capital Managements sowie verschiedene Einflussfaktoren auf deren Anwendungshäufigkeit untersucht. Des Weiteren wurde auch der Effekt auf den Unternehmenserfolg analysiert. Im Vergleich zu früheren Studien unter Betrieben vergleichbarer Größenordnung ergibt sich ein generell hoher Verbreitungsgrad aller betrachteten Maßnahmen. Besonders verbreitet sind grundlegende Maßnahmen des Vorrats- sowie des Debitorenmanagements.

    Die Untersuchung der Einflussfaktoren zeigt einen signifikant positiven Einfluss betriebswirtschaftlicher (Aus-)Bildung einzelner Mitarbeiter auf den Verbreitungsgrad aller Working Capital Management-Maßnahmen. Ein Zusammenhang zwischen Anwendungsgrad und genereller Mitarbeiterzahl der Betriebe konnte hingegen nicht festgestellt werden. Vielmehr als eine grundlegende Knappheit der Humankapitalressourcen sind also betriebswirtschaftliche Kenntnisse an einzelnen Schlüsselpositionen innerhalb des Betriebs ausschlaggebend für die beobachteten Anwendungsquoten. Die Analyse deutet ferner darauf hin, dass der Einsatz elementarer Instrumente des Working Capital Managements unabhängig von deren Fokus auch in kleinsten Handwerksbetrieben zu einer Steigerung von Liquidität und Produktivität beiträgt. Zur Steigerung der Anwendungsquoten sind zielgerichtete Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen notwendig.

    Der vollständige Untersuchungsbericht "Working Capital Management im Handwerk. Eine empirische Bestandsaufnahme und Analyse der Situation in kleinen Betrieben" von Benedikt Tratt steht auf den LFI-Webseiten zum kostenlosen Download zur Verfügung.

    Ansprechpartner:
    Benedikt Tratt
    Tel: 089/515560-87
    E-Mail: tratt(at)lfi-muenchen(dot)de

    Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften

    Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts:

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