Neue Studie zu KI und Vertrauensgütermärkten
KI-Agenten agieren in wirtschaftlichen Kontexten zunehmend im Auftrag menschlicher Akteure. Aus diesem Grund wird ein fundiertes Verständnis ihres Verhaltens in komplexen Marktumgebungen immer wichtiger. Eine Studie des ifh Göttingen untersucht, wie Large Language Models in Märkten mit Informationsasymmetrien koordinieren. Wir konzentrieren uns auf Vertrauensgütermärkte, in denen Anbieter von Dienstleistungen und Gütern Anreize haben, ihren Informationsvorsprung zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die Studie führt eine Reihe an Simulationen mit GPT-5.1-Agenten durch und variiert dabei den institutionellen Rahmen (freier Markt, Verifizierbarkeit, Haftung), die sozialen Präferenzen der LLM-Agenten (Standard, eigennutzorientiert, ungleichheitsavers, effizienzorientiert) sowie Reputationsmechanismen – jeweils in einmaligen und wiederholten Interaktionen über 16 Runden.
In Einzel-Interaktionen gelingt es den LLM-Agenten weitgehend nicht, Kooperation herzustellen; die Märkte brechen regelmäßig zusammen. Einzig unter Haftungsregeln und wenn Experten effizienzorientierte Präferenzen aufweisen findet Markträumung statt. Wiederholte Interaktionen lösen das Problem der Konsumentenbeteiligung durch kompetitiven Preisrückgang, während Expertenbetrug ohne explizit prosoziale Präferenzen persistiert. LLM-Konsumenten orientieren sich dabei vorrangig am Preisniveau, anstatt die strategischen Anreizstrukturen in Preisaufschlägen zu durchschauen, was sie anfällig für Ausbeutung macht. Im Vergleich zu Humanexperimenten weisen LLM-Märkte eine deutlich höhere Konsumentenbeteiligung, stärkere Marktkonzentration, niedrigere Preise und polarisierte Betrugsmuster auf. Die Wirkung von Institutionen wie Verifizierbarkeit und Reputation ist zudem wesentlich ambivalenter. Unter sozialpräferenzorientierten Zielfunktionen verschiebt sich der Gesamtüberschuss deutlich zugunsten der Konsumenten. Diese Befunde legen nahe, dass das institutionelle Design für KI-Agentenmärkte grundlegend andere Ansätze erfordert als jene, die für menschliche Akteure wirksam sind – wobei die Ausrichtung sozialer Präferenzen als zentraler Bestimmungsfaktor der Markteffizienz hervortritt.
Ansprechperson:
Alexander Erlei
Tel.: +49 (0)551 39-34882
E-Mail senden
Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh)
Weitere Informationen auf der Homepage des Instituts: