29.01.2026

Wie Handwerksbetriebe den Reparaturbonus bewerten

Das LFI präsentiert in einer neuen Studie Ergebnisse aus der Reparaturpraxis.

Der Reparaturbonus soll Reparaturen fördern und damit Abfall vermeiden sowie regionale Betriebe stärken. Wie dieses Instrument in der Praxis wirkt, untersucht eine neue qualitative Studie des LFI München auf Basis von Interviews mit Handwerksbetrieben, Verbraucherorganisationen und politischen Akteuren in Deutschland und Österreich.

Die Betriebe bewerten den Reparaturbonus überwiegend positiv. Vor allem als finanzielle Entlastung für Kundinnen und Kunden erleichtert er in vielen Fällen die Entscheidung, ein defektes Gerät reparieren zu lassen, statt ein neues zu kaufen. Einige Betriebe berichten in Förderzeiträumen von mehr Aufträgen oder einer höheren Reparaturbereitschaft, andere stellen kaum Veränderungen fest. Der Bonus wird häufig als wichtiges Argument im Kundengespräch genutzt, insbesondere bei Haushalten mit begrenztem Budget.

Wie stark der Bonus wirkt, hängt jedoch entscheidend von seiner Ausgestaltung ab. Förderpausen und schnell ausgeschöpfte Budgets führen dazu, dass Kundinnen und Kunden Reparaturen auf bestimmte Zeiträume verschieben. Nach dem Ende einer Förderung kann die Nachfrage spürbar zurückgehen. In Österreich schilderte ein Betrieb, dass er seine Kapazitäten im Vertrauen auf den Bonus ausgeweitet hatte und diese nach dem Förderende nicht mehr auslasten konnte – mit der Folge einer Insolvenz. Das Beispiel zeigt, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für betriebliche Planung sind.

Auch die Kommunikation erweist sich als Schwachstelle. In einigen Regionen erfuhren Betriebe erst durch Kundinnen und Kunden, dass sie im Rahmen eines Reparaturnetzwerks bereits als teilnehmend gelistet waren. Gleichzeitig wissen viele Verbraucher nur wenig über den Bonus oder seine Bedingungen. Diese Informationsdefizite schränken die praktische Wirksamkeit des Instruments ein.

Grundlegende Herausforderungen wie hohe Ersatzteilpreise, eingeschränkte Reparierbarkeit oder Fachkräftemangel werden durch den Bonus nicht adressiert. Die Studie zeigt den Reparaturbonus damit als unterstützendes Instrument, das Reparaturen sichtbarer macht und finanzielle Hürden senkt, dessen Wirkung jedoch stark von Planungssicherheit, Kommunikation und begleitenden Maßnahmen abhängt. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, welche Ausgestaltungsmerkmale die Wirksamkeit zukünftiger Reparaturförderungen erhöhen könnten und welche ergänzenden politischen Maßnahmen notwendig sein könnten, um die Rahmenbedingungen für eine reparaturorientierte Wirtschaftsweise langfristig zu verbessern.

Ansprechperson:
Alina Gries
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Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften

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