28.05.2026

Neue Studie zu Reputationsmechanismen für Vertrauensgütermärkte

Die ifh-Studie zeigt, dass öffentliche Bewertungssysteme in Märkten für Vertrauensgüter – wie dem Handwerksmarkt – die Behandlung für Kunden deutlich verbessern. Daher sind auch weniger digitalisierte Märkte auf transparente Bewertungssysteme angewiesen.

Vertrauensgütermärkte sind durch Informationsasymmetrien zwischen Experten und Konsumenten geprägt, wodurch Konsumenten Gefahr laufen, durch Über- oder Unterbehandlung ausgebeutet zu werden. Der Beitrag des ifh Göttingen untersucht experimentell, wie öffentliche Reputationsinstitutionen, eine gemeinsame Gruppenidentität und heterogene soziale Präferenzen das Marktverhalten in kompetitiven Vertrauensgütermärkten mit Verifizierbarkeit beeinflussen.

Die Ergebnisse zeigen drei zentrale Befunde. Erstens steigert eine öffentliche Reputationsinstitution die Markteffizienz substanziell – um 13 bis 35 Prozent – indem sie sowohl Über- als auch Unterbehandlung reduziert. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei eigennutzorientierten Experten und entsteht durch zwei Mechanismen: Experten reduzieren betrügerisches Verhalten und Konsumenten nutzen öffentliche Signale, um Experten mit einer Historie der Unterbehandlung zu meiden. Zweitens erklärt Experten-Aversion gegen Schlechterstellung systematisch Überbehandlung. Damit liegt erstmals empirische Evidenz dafür vor, dass Verteilungspräferenzen im Bereich nachteiliger Ungleichheit Überbehandlung in kompetitiven Märkten antreiben. Drittens hat eine induzierte gemeinsame Gruppenidentität zwischen Experten und Konsumenten keinen positiven Effekt auf Marktergebnisse oder Expertenehrlichkeit.

Die Befunde verdeutlichen die institutionelle Bedeutung öffentlicher Reputationsmechanismen für Vertrauensgütermärkte und beleuchten die Mikrofundamente unehrlichen Expertenverhaltens. Soziale Gruppenbindung ist kein wirksames informelles Substitut für formale Reputationsinstitutionen, weshalb auch ländliche oder weniger digitalisierte Märkte auf transparente Bewertungssysteme angewiesen sind.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Ansprechperson:
Alexander Erlei
Tel.: +49 (0)551 39-34882
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Volkswirtschaftliches Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh)

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