Vergütung: Mehr Differenzierung statt pauschaler Urteile
Eine aktuelle Untersuchung zur Vergütungssituation des Handwerks in Sachsen-Anhalt liefert belastbare Zahlen und zeigt: Pauschale Aussagen über “niedrige Handwerkslöhne” werden der Realität nicht gerecht. Die Vergütung ist vielfach wettbewerbsfähig – insbesondere für qualifizierte Fachkräfte – und hängt maßgeblich vom Gewerk, der wirtschaftlichen Stärke des Betriebs sowie der Qualifikation und Berufserfahrung der Beschäftigten ab. Für die Studie wurden 540 Handwerksbetriebe in Sachsen-Anhalt befragt. Insgesamt flossen 2.135 Vergütungsdaten in die Auswertung ein. Neben den Vergütungshöhen wurden auch zusätzliche Leistungen, Vakanzzeiten sowie Faktoren der Mitarbeitergewinnung und -bindung untersucht.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass Ausbildung und Weiterbildung wichtige Grundlagen für spätere Einkommenszuwächse bilden. Gesellen verdienen in Sachsen-Anhalt durchschnittlich rund 5,50 bis 8,00 Euro brutto je Stunde mehr als Helfer. Noch deutlicher fällt der Unterschied bei einer Weiterbildung zum Meister aus: Je nach Beruf liegen die Meistervergütungen etwa 20 bis 40 Prozent über denen von Gesellen. Das entspricht monatlichen Differenzen von rund 1.000 bis 1.350 Euro brutto.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Besetzung offener Stellen im Handwerk Zeit benötigt. Im Durchschnitt bleiben Stellen für Gesellen zehn Monate und für Meister neun Monate vakant. Bei kaufmännischen Angestellten und Helfern beträgt die durchschnittliche Vakanzzeit jeweils vier Monate.
Für die Arbeitgeberattraktivität spielt die Vergütung eine wichtige Rolle. Als besonders entscheidend für die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden nennen die Betriebe jedoch ebenso ein gutes Betriebsklima und den persönlichen Kontakt zwischen Inhabenden und Beschäftigten. 21 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihre Vergütung als deutlich höher als die ihrer Wettbewerber ein, während 75 Prozent von einem vergleichbaren Niveau ausgehen.
Viele Betriebe ergänzen ihre Vergütung durch zusätzliche finanzielle und geldwerte Leistungen. Besonders verbreitet sind Betriebsveranstaltungen, kostenlose Arbeitskleidung, Getränke, Kaffee und Snacks sowie kostenlose Parkplätze. Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld, Mitarbeiterrabatte, steuerfreie Sachzuwendungen und die Auszahlung von Überstunden gehören bei zahlreichen Betrieben zum Vergütungspaket.
Die Studie zeigt damit: Attraktive Arbeitsplätze im Handwerk entstehen durch das Zusammenspiel von fairer Vergütung, beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, guten Arbeitsbedingungen und einer wertschätzenden Unternehmenskultur. Wer diese Faktoren sichtbar macht und gezielt weiterentwickelt, stärkt seine Position im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte.
Die gesamte Studie zum kostenlosen Download finden Sie hier.
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Dr. Andrea Greilinger
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Ludwig-Fröhler-Institut (LFI) für Handwerkswissenschaften
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